Branche Automotive
Die Umstellung ist beschlossen. Offen ist, wer die neue Linie fährt.
Elektrifizierung, Software im Produkt und eine Prüfung, die von der Lehre auf die Kamera wechselt. Mehrere Bereiche gleichzeitig, mit festem Termin am Ende.
Erster Zielmarkt von QualiShift. Für Hersteller und Zulieferer, die einen Standort umstellen.
691.500
Beschäftigte im Kraftfahrzeugbau
219.500
davon bei den Zulieferern
Der Personalabbau in der Branche und der Qualifizierungsbedarf im Werk sind nicht zwei getrennte Themen. Wer bleibt, arbeitet an einer anderen Anlage als vor drei Jahren.

Was sich technisch ändert
Sechs Treiber, die gleichzeitig auf dieselbe Belegschaft treffen
Einzeln wäre jeder Punkt ein Projekt der Fachabteilung. Zusammen ergeben sie einen Bedarf quer durch das Werk.
Elektrifizierung des Antriebs.
Hochvoltsysteme im Produkt und an der Linie, andere Prüf- und Freigabeschritte, andere Sicherheitsregeln an vorher rein mechanischen Arbeitsplätzen.
Software wird Teil des Produkts.
Steuergerätestände und Diagnoseschnittstellen wandern in Montage und Endprüfung. Ein Prüfergebnis hängt am aufgespielten Softwarestand.
Automatisierung in der Fertigung.
Bearbeitungszentren, Roboterzellen und fahrerlose Transportsysteme verschieben die Tätigkeit vom Bedienen zum Einrichten und Entstören.
Neue Fertigungstechnologien.
Modul- und Packmontage, Kleben und Fügen statt Schweißen an bestimmten Baugruppen. Andere Prozessfenster, andere Fehlerbilder.
Digitale Qualität.
Kamerabasierte Prüfstationen und durchgängige Prüfdaten. Die Qualitätsentscheidung verlagert sich vom Einzelteil auf den Prozess.
Verändertes Produktportfolio.
Andere Varianten, Stückzahlen und Zulieferstruktur. Das trifft Planung und Logistik früher als die Fertigung.
Rollen
Welche Bereiche es trifft, und was heute dort gearbeitet wird
Links steht, was an Ausbildungsberufen vorhanden ist, rechts, wodurch sich die Tätigkeit verändert. Der Abstand dazwischen ist die Kompetenzlücke.
Produktion und Montage
Hochvoltkomponenten, Klebe- und Fügeverfahren mit engen Prozessfenstern, automatisierte Linien statt einzelner Maschinen.
Qualität
Prüfstationen einrichten, Prüfprogramme pflegen, Entscheidungen aus Prüfdaten ableiten statt aus dem Einzelbefund.
Instandhaltung
Wartung nach Zustand statt nach Intervall, Sensordaten auswerten, Störungen an Robotik eingrenzen, Hochvolt sicher freischalten.
Engineering und Anlagenplanung
Auslegung und Inbetriebnahme automatisierter Zellen, Absicherung neuer Fügeverfahren, Zusammenspiel von Anlagensteuerung und Leitsystem.
Supply Chain und Logistik
Fahrerlose Transportsysteme im Werksverkehr, Materialbereitstellung nach Datenlage, veränderte Wareneingangsprüfung.
Produktentwicklung und Versuch
Hochvolt-Prüfstände, Absicherung von Softwareständen, Messtechnik an elektrischen Antrieben.
Eine Unterscheidung, die auf den meisten Seiten fehlt
Der Ausgangspunkt einer Kohorte ist standardisiert. Das Ziel ist es nicht.
Links stehen anerkannte Ausbildungsberufe. Über Ausbildungsordnungen definiert, bundesweit gleich zugeschnitten und damit ein verlässlicher Ausgangspunkt.
Zielrollen sind betriebliche Rollenprofile. Bezeichnungen wie „Fachkraft für Batterietechnik“ stehen in Stellenausschreibungen, sind aber keine anerkannten Ausbildungsberufe. Deshalb beschreiben wir die Zielrolle über das Kompetenzniveau, das die künftige Anlage verlangt.
Kompetenzen
Was zusätzlich gebraucht wird
Nicht anstelle des Handwerks, sondern darüber hinaus. Die vorhandene Fachkenntnis reicht für die neue Anlage nicht mehr aus.
Elektrische Antriebe und Hochvolt
- Aufbau und Wirkweise elektrischer Antriebe
- Sicheres Arbeiten an Hochvoltsystemen, Freischalten und Spannungsfreiheit nachweisen
- Prüf- und Freigabeschritte an Hochvoltbaugruppen
Automatisierung und Anlagenbetrieb
- Steuerungstechnik, Programmaufbau und Inbetriebnahme
- Robotik: Bahnen, Greifer, Zellensicherheit
- Industrielle Kommunikation und Feldbusdiagnose
Daten im Werk
- Produktionsdaten lesen und Abweichungen einordnen
- Fertigungsleitsystem und digitaler Leitstand
- Statistische Prozesslenkung
Digitale Qualität
- Industrielle Bildverarbeitung an Prüfstationen
- Prüfprogramme und Prüfmittel pflegen
- Prüf- und Prozessdokumentation, die einem Audit standhält
Antriebswandel
Warum der Druck im Antriebsstrang zuerst ankommt
Qualifizierung ist in dieser Lage keine Sozialleistung. Sie ist der Unterschied zwischen einer Stelle, die neu besetzt werden muss, und einer Person, die bereits da ist.
726.000
von rund 1,6 Millionen Arbeitsplätzen im europäischen Antriebsstrang stehen bis 2040 auf dem Spiel
225.000
Arbeitsplätze weniger bis 2035 gegenüber 2019 in Deutschland, davon rund 100.000 bereits eingetreten
- 01Europa, nicht Deutschland.
- 02Der Antriebsstrang, nicht die Branche insgesamt.
- 03Gefährdete Arbeitsplätze in einem Extremszenario, keine neu entstehenden.
Wie viele Beschäftigte ihre Tätigkeit ändern, sagt keine dieser Zahlen. Dazu gibt es keine belastbare Erhebung, und wir erfinden keine.
Beispielszenario
Ein Zulieferer stellt ein Werk um
So sieht der Fall in der Plattform aus: Vorhaben, betroffene Bereiche, Rollencluster mit Kopfzahl und die daraus abgeleiteten Zielrollen.
Werk Süd 2028
Umstellung auf Elektroantriebe und automatisierte Endprüfung
412
Rollencluster heute
Endprüfung und Qualitätskontrolle
81
Montage Antriebsstrang
74
Zerspanung und CNC-Fertigung
72
Instandhaltung
66
Produktionsplanung
58
Innerbetriebliche Logistik
49
Abgeleitete Zielrollen
Fachkraft für Hochvolttechnik
46
27
4
Techniker Automatisierungstechnik
42
39
5
Techniker digitale Qualitätsprüfung
38
48
5
Produktionstechniker digitale Fertigung
35
44
3
Fachkraft zustandsorientierte Instandhaltung
31
62
3

Umsetzung im Werk
Wie eine Qualifizierung im Dreischichtbetrieb tatsächlich abläuft
Hier scheitern die meisten Vorhaben, und zwar nicht am Inhalt. Schicht, Standort, Freistellung und Gruppengröße sind Planungsgrößen.
- Schichtmodell
- Eine Kohorte wird entlang der Schichtgruppen geschnitten und in zwei Durchläufen gefahren, damit die Linie besetzt bleibt.
- Standort
- Ab einer Gruppengröße, die einen eigenen Termin rechtfertigt, kommt der Anbieter ins Werk. Geübt wird an der eigenen Anlage, sonst bleibt die Übertragung der schwierigste Teil.
- Freistellung
- Bezahlte Freistellung mit benanntem Vertretungsplan je Schicht, festgehalten in der Betriebsvereinbarung. Ohne ihn beendet der erste Engpass die ganze Kohorte.
- Gruppengröße
- Groß genug für einen eigenen Anbietertermin, klein genug für praktische Arbeit. Die Obergrenze setzt der Prüfstand, nicht der Seminarraum.
- Taktgeber ist der Anlagenhochlauf
- Die Qualifizierung muss fertig sein, bevor die Anlage produziert. Der Lernpfad wird vom Hochlauftermin rückwärts geplant.
§ 97 Abs. 2 BetrVG: Ändern Maßnahmen des Arbeitgebers die Tätigkeit so, dass die beruflichen Kenntnisse nicht mehr ausreichen, hat der Betriebsrat bei der Einführung von Berufsbildungsmaßnahmen mitzubestimmen. Bei der Durchführung kommt § 98 BetrVG hinzu, samt Vorschlagsrecht für die Teilnehmer. Ein Qualifizierungsplan ohne Unterlagen wird in der ersten Sitzung vertagt.
Ein Lernpfad, wie er dabei entsteht
Vier Bausteine in einer Reihenfolge, die im Schichtbetrieb durchhaltbar ist. Kein Seminar, sondern ein Weg auf eine Rolle.
- Techniker Automatisierungstechnik
- 24 Wochen
- 24
Die Kohorte schrumpft auf dem Weg zur Bestätigung, und das ist normal. Sichtbar wird, woran sie schrumpft: an Interesse, an Terminen oder an der Vertretung.
Grundlagen Steuerungstechnik
Aufbau, Programmierung, Inbetriebnahme
6 Wochen
Robotik und Handhabung
Bahnplanung, Greifer, Zellensicherheit
8 Wochen
Industrielle Kommunikation
Feldbus, Diagnose, Netzstruktur
4 Wochen
Praxisphase an der Linie
Begleitete Störungsbehebung im Werk
6 Wochen
Kohortenfähigkeit
Warum ausgerechnet Automotive der beste Fall für Kohorten ist
Kohortenfähig ist ein Bereich, wenn viele Menschen dieselbe Veränderung erleben, mit vergleichbarem Vorwissen starten und zur selben Zeit verfügbar sind.
Viele Menschen tun dasselbe. An einer Linie arbeiten Dutzende an derselben Anlage mit derselben Veränderung. In Stabsbereichen ist das fast nie gegeben.
Das Vorwissen ist verordnet. Fertigungsmechaniker oder Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik bringen ein bundesweit gleiches Fundament mit. Eingangstests erübrigen sich.
Der Anlass hat ein Datum. Ein Anlagenhochlauf ist terminiert und im Werk unstrittig. Eine Kohorte lässt sich rückwärts davon planen.
Schichtsysteme sind planbar. Ein Schichtplan ist eine harte, aber berechenbare Randbedingung. Ohne Schicht ist Verfügbarkeit weicher und schwerer zu koordinieren.
Die Mitbestimmung ist eingespielt. Betriebsrat, Betriebsvereinbarung und Qualifizierungsausschuss existieren bereits. Es muss kein Verfahren erfunden, nur mit Unterlagen bedient werden.
Wo es auch hier nicht funktioniert
In Produktentwicklung, Versuch und Anlagenplanung wird die Kohorte schnell klein. Dort ist der Lernpfad das nützlichere Werkzeug.
Andere Branchen
QualiShift ist nicht branchengebunden. Der Zuschnitt entsteht aus der Unternehmenssituation.
Nächster Schritt
Wenn der Hochlauftermin steht, fangen wir bei den Rollen an.
Der Transformation Scan fragt nach Vorhaben, betroffenen Bereichen und Größenordnung und liefert eine erste Rollen- und Kompetenzübersicht.
