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Branche Automotive

Die Umstellung ist beschlossen. Offen ist, wer die neue Linie fährt.

Elektrifizierung, Software im Produkt und eine Prüfung, die von der Lehre auf die Kamera wechselt. Mehrere Bereiche gleichzeitig, mit festem Termin am Ende.

Erster Zielmarkt von QualiShift. Für Hersteller und Zulieferer, die einen Standort umstellen.

Beschäftigung in der Branche

691.500

Beschäftigte im Kraftfahrzeugbau

Ende des ersten Halbjahres 2026, 42.300 weniger als ein Jahr zuvor, ein Minus von 5,8 Prozent.

219.500

davon bei den Zulieferern

Herstellung von Teilen und Zubehör, ein Minus von 7,6 Prozent.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 14. August 2026. Seit 2005 waren nie weniger Menschen in der Branche beschäftigt.

Der Personalabbau in der Branche und der Qualifizierungsbedarf im Werk sind nicht zwei getrennte Themen. Wer bleibt, arbeitet an einer anderen Anlage als vor drei Jahren.

Automatisierte Foerderstrecke mit Behaeltern in einem Werk

Was sich technisch ändert

Sechs Treiber, die gleichzeitig auf dieselbe Belegschaft treffen

Einzeln wäre jeder Punkt ein Projekt der Fachabteilung. Zusammen ergeben sie einen Bedarf quer durch das Werk.

01

Elektrifizierung des Antriebs.

Hochvoltsysteme im Produkt und an der Linie, andere Prüf- und Freigabeschritte, andere Sicherheitsregeln an vorher rein mechanischen Arbeitsplätzen.

02

Software wird Teil des Produkts.

Steuergerätestände und Diagnoseschnittstellen wandern in Montage und Endprüfung. Ein Prüfergebnis hängt am aufgespielten Softwarestand.

03

Automatisierung in der Fertigung.

Bearbeitungszentren, Roboterzellen und fahrerlose Transportsysteme verschieben die Tätigkeit vom Bedienen zum Einrichten und Entstören.

04

Neue Fertigungstechnologien.

Modul- und Packmontage, Kleben und Fügen statt Schweißen an bestimmten Baugruppen. Andere Prozessfenster, andere Fehlerbilder.

05

Digitale Qualität.

Kamerabasierte Prüfstationen und durchgängige Prüfdaten. Die Qualitätsentscheidung verlagert sich vom Einzelteil auf den Prozess.

06

Verändertes Produktportfolio.

Andere Varianten, Stückzahlen und Zulieferstruktur. Das trifft Planung und Logistik früher als die Fertigung.

Rollen

Welche Bereiche es trifft, und was heute dort gearbeitet wird

Links steht, was an Ausbildungsberufen vorhanden ist, rechts, wodurch sich die Tätigkeit verändert. Der Abstand dazwischen ist die Kompetenzlücke.

Produktion und Montage

Heute im Bereich vertreten

FertigungsmechanikerStanz- und UmformmechanikerFachkraft für MetalltechnikKarosserie- und FahrzeugbaumechanikerFahrzeuginterieur-Mechaniker

Was sich verändert

Hochvoltkomponenten, Klebe- und Fügeverfahren mit engen Prozessfenstern, automatisierte Linien statt einzelner Maschinen.

Qualität

Heute im Bereich vertreten

WerkstoffprüferKraftfahrzeugmechatronikerFachkraft für Metalltechnik

Was sich verändert

Prüfstationen einrichten, Prüfprogramme pflegen, Entscheidungen aus Prüfdaten ableiten statt aus dem Einzelbefund.

Instandhaltung

Heute im Bereich vertreten

Elektroniker für Maschinen und AntriebstechnikElektroniker für Informations- und SystemtechnikElektroniker

Was sich verändert

Wartung nach Zustand statt nach Intervall, Sensordaten auswerten, Störungen an Robotik eingrenzen, Hochvolt sicher freischalten.

Engineering und Anlagenplanung

Heute im Bereich vertreten

Verfahrenstechnologe MetallElektroniker für Informations- und Systemtechnik

Was sich verändert

Auslegung und Inbetriebnahme automatisierter Zellen, Absicherung neuer Fügeverfahren, Zusammenspiel von Anlagensteuerung und Leitsystem.

Supply Chain und Logistik

Heute im Bereich vertreten

Fachkraft für MetalltechnikFertigungsmechaniker

Was sich verändert

Fahrerlose Transportsysteme im Werksverkehr, Materialbereitstellung nach Datenlage, veränderte Wareneingangsprüfung.

Produktentwicklung und Versuch

Heute im Bereich vertreten

KraftfahrzeugmechatronikerWerkstoffprüferElektroniker

Was sich verändert

Hochvolt-Prüfstände, Absicherung von Softwareständen, Messtechnik an elektrischen Antrieben.

Eine Unterscheidung, die auf den meisten Seiten fehlt

Der Ausgangspunkt einer Kohorte ist standardisiert. Das Ziel ist es nicht.

Links stehen anerkannte Ausbildungsberufe. Über Ausbildungsordnungen definiert, bundesweit gleich zugeschnitten und damit ein verlässlicher Ausgangspunkt.

Zielrollen sind betriebliche Rollenprofile. Bezeichnungen wie „Fachkraft für Batterietechnik“ stehen in Stellenausschreibungen, sind aber keine anerkannten Ausbildungsberufe. Deshalb beschreiben wir die Zielrolle über das Kompetenzniveau, das die künftige Anlage verlangt.

Kompetenzen

Was zusätzlich gebraucht wird

Nicht anstelle des Handwerks, sondern darüber hinaus. Die vorhandene Fachkenntnis reicht für die neue Anlage nicht mehr aus.

Elektrische Antriebe und Hochvolt

  • Aufbau und Wirkweise elektrischer Antriebe
  • Sicheres Arbeiten an Hochvoltsystemen, Freischalten und Spannungsfreiheit nachweisen
  • Prüf- und Freigabeschritte an Hochvoltbaugruppen

Automatisierung und Anlagenbetrieb

  • Steuerungstechnik, Programmaufbau und Inbetriebnahme
  • Robotik: Bahnen, Greifer, Zellensicherheit
  • Industrielle Kommunikation und Feldbusdiagnose

Daten im Werk

  • Produktionsdaten lesen und Abweichungen einordnen
  • Fertigungsleitsystem und digitaler Leitstand
  • Statistische Prozesslenkung

Digitale Qualität

  • Industrielle Bildverarbeitung an Prüfstationen
  • Prüfprogramme und Prüfmittel pflegen
  • Prüf- und Prozessdokumentation, die einem Audit standhält

Die Kompetenzbezeichnungen orientieren sich an ESCO, dem offenen Klassifikationsstandard der Europäischen Kommission. So trägt dieselbe Kompetenz bei zwei Anbietern denselben Namen.

Antriebswandel

Warum der Druck im Antriebsstrang zuerst ankommt

Qualifizierung ist in dieser Lage keine Sozialleistung. Sie ist der Unterschied zwischen einer Stelle, die neu besetzt werden muss, und einer Person, die bereits da ist.

726.000

von rund 1,6 Millionen Arbeitsplätzen im europäischen Antriebsstrang stehen bis 2040 auf dem Spiel

Fraunhofer IAO, Studie ELAB2040, Juli 2026, strengstes Szenario

225.000

Arbeitsplätze weniger bis 2035 gegenüber 2019 in Deutschland, davon rund 100.000 bereits eingetreten

VDA, Mai 2026, auf Basis einer Prognos-Studie

Drei Einschränkungen, die nicht verrutschen dürfen

  • 01Europa, nicht Deutschland.
  • 02Der Antriebsstrang, nicht die Branche insgesamt.
  • 03Gefährdete Arbeitsplätze in einem Extremszenario, keine neu entstehenden.

Wie viele Beschäftigte ihre Tätigkeit ändern, sagt keine dieser Zahlen. Dazu gibt es keine belastbare Erhebung, und wir erfinden keine.

Beispielszenario

Ein Zulieferer stellt ein Werk um

So sieht der Fall in der Plattform aus: Vorhaben, betroffene Bereiche, Rollencluster mit Kopfzahl und die daraus abgeleiteten Zielrollen.

Werk Süd 2028

Umstellung auf Elektroantriebe und automatisierte Endprüfung

Zeitraum: 36 Monate, Start Q1

Betroffene Bereiche

FertigungQualitätssicherungInstandhaltungProduktionsplanung

412

Beschäftigte im Betrachtungsbereich

Rollencluster heute

  • Endprüfung und Qualitätskontrolle

    81

    64 Beschäftigte, Kamerabasierte Prüfsysteme

  • Montage Antriebsstrang

    74

    112 Beschäftigte, Hochvolt-Komponenten

  • Zerspanung und CNC-Fertigung

    72

    86 Beschäftigte, Automatisierte Bearbeitungszentren

  • Instandhaltung

    66

    58 Beschäftigte, Zustandsorientierte Wartung

  • Produktionsplanung

    58

    34 Beschäftigte, Datenbasierte Feinplanung

  • Innerbetriebliche Logistik

    49

    58 Beschäftigte, Fahrerlose Transportsysteme

Veränderung des Tätigkeitsprofils, Skala 0 bis 100

Abgeleitete Zielrollen

  • Fachkraft für Hochvolttechnik

    Arbeitet an Hochvoltsystemen, sichert Anlagen ab und übernimmt Prüf- und Freigabeschritte.

    46

    Bedarf

    27

    Ausgangsniveau

    4

    Kompetenzen müssen wachsen

    kommt typischerweise aus: Montage Antriebsstrang

  • Techniker Automatisierungstechnik

    Richtet automatisierte Anlagen ein, programmiert Abläufe und behebt Störungen an Steuerung und Robotik.

    42

    Bedarf

    39

    Ausgangsniveau

    5

    Kompetenzen müssen wachsen

    kommt typischerweise aus: Zerspanung und CNC-Fertigung, Instandhaltung

  • Techniker digitale Qualitätsprüfung

    Betreut kamerabasierte Prüfstationen, bewertet Prüfergebnisse und pflegt Prüfprogramme.

    38

    Bedarf

    48

    Ausgangsniveau

    5

    Kompetenzen müssen wachsen

    kommt typischerweise aus: Endprüfung und Qualitätskontrolle, Zerspanung und CNC-Fertigung

  • Produktionstechniker digitale Fertigung

    Führt Anlagen über digitale Leitstände, liest Produktionsdaten und greift bei Abweichungen ein.

    35

    Bedarf

    44

    Ausgangsniveau

    3

    Kompetenzen müssen wachsen

    kommt typischerweise aus: Zerspanung und CNC-Fertigung, Montage Antriebsstrang

  • Fachkraft zustandsorientierte Instandhaltung

    Wertet Sensordaten aus, plant Wartung nach Zustand statt nach Intervall und betreut Diagnosetechnik.

    31

    Bedarf

    62

    Ausgangsniveau

    3

    Kompetenzen müssen wachsen

    kommt typischerweise aus: Instandhaltung, Innerbetriebliche Logistik

Illustratives Szenario eines Automobilzulieferers, kein echter Kunde. Alle Zahlen in diesem Abschnitt stammen aus diesem einen Beispiel.

Automatisiertes Hochregallager

Umsetzung im Werk

Wie eine Qualifizierung im Dreischichtbetrieb tatsächlich abläuft

Hier scheitern die meisten Vorhaben, und zwar nicht am Inhalt. Schicht, Standort, Freistellung und Gruppengröße sind Planungsgrößen.

Schichtmodell
Eine Kohorte wird entlang der Schichtgruppen geschnitten und in zwei Durchläufen gefahren, damit die Linie besetzt bleibt.
Standort
Ab einer Gruppengröße, die einen eigenen Termin rechtfertigt, kommt der Anbieter ins Werk. Geübt wird an der eigenen Anlage, sonst bleibt die Übertragung der schwierigste Teil.
Freistellung
Bezahlte Freistellung mit benanntem Vertretungsplan je Schicht, festgehalten in der Betriebsvereinbarung. Ohne ihn beendet der erste Engpass die ganze Kohorte.
Gruppengröße
Groß genug für einen eigenen Anbietertermin, klein genug für praktische Arbeit. Die Obergrenze setzt der Prüfstand, nicht der Seminarraum.
Taktgeber ist der Anlagenhochlauf
Die Qualifizierung muss fertig sein, bevor die Anlage produziert. Der Lernpfad wird vom Hochlauftermin rückwärts geplant.

§ 97 Abs. 2 BetrVG: Ändern Maßnahmen des Arbeitgebers die Tätigkeit so, dass die beruflichen Kenntnisse nicht mehr ausreichen, hat der Betriebsrat bei der Einführung von Berufsbildungsmaßnahmen mitzubestimmen. Bei der Durchführung kommt § 98 BetrVG hinzu, samt Vorschlagsrecht für die Teilnehmer. Ein Qualifizierungsplan ohne Unterlagen wird in der ersten Sitzung vertagt.

Ein Lernpfad, wie er dabei entsteht

Vier Bausteine in einer Reihenfolge, die im Schichtbetrieb durchhaltbar ist. Kein Seminar, sondern ein Weg auf eine Rolle.

Zielrolle
Techniker Automatisierungstechnik
Gesamtdauer des Pfades
24 Wochen
in der Kohorte bestätigt
24

Die Kohorte schrumpft auf dem Weg zur Bestätigung, und das ist normal. Sichtbar wird, woran sie schrumpft: an Interesse, an Terminen oder an der Vertretung.

Lernpfad und Kohortengröße stammen aus dem Beispielszenario.

  1. Grundlagen Steuerungstechnik

    Aufbau, Programmierung, Inbetriebnahme

    6 Wochen

  2. Robotik und Handhabung

    Bahnplanung, Greifer, Zellensicherheit

    8 Wochen

  3. Industrielle Kommunikation

    Feldbus, Diagnose, Netzstruktur

    4 Wochen

  4. Praxisphase an der Linie

    Begleitete Störungsbehebung im Werk

    6 Wochen

Kompetenzen müssen wachsen

SteuerungstechnikRobotikFehlerdiagnoseIndustrielle KommunikationArbeitssicherheit

Kohortenfähigkeit

Warum ausgerechnet Automotive der beste Fall für Kohorten ist

Kohortenfähig ist ein Bereich, wenn viele Menschen dieselbe Veränderung erleben, mit vergleichbarem Vorwissen starten und zur selben Zeit verfügbar sind.

Viele Menschen tun dasselbe. An einer Linie arbeiten Dutzende an derselben Anlage mit derselben Veränderung. In Stabsbereichen ist das fast nie gegeben.

Das Vorwissen ist verordnet. Fertigungsmechaniker oder Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik bringen ein bundesweit gleiches Fundament mit. Eingangstests erübrigen sich.

Der Anlass hat ein Datum. Ein Anlagenhochlauf ist terminiert und im Werk unstrittig. Eine Kohorte lässt sich rückwärts davon planen.

Schichtsysteme sind planbar. Ein Schichtplan ist eine harte, aber berechenbare Randbedingung. Ohne Schicht ist Verfügbarkeit weicher und schwerer zu koordinieren.

Die Mitbestimmung ist eingespielt. Betriebsrat, Betriebsvereinbarung und Qualifizierungsausschuss existieren bereits. Es muss kein Verfahren erfunden, nur mit Unterlagen bedient werden.

Wo es auch hier nicht funktioniert

In Produktentwicklung, Versuch und Anlagenplanung wird die Kohorte schnell klein. Dort ist der Lernpfad das nützlichere Werkzeug.

Andere Branchen

QualiShift ist nicht branchengebunden. Der Zuschnitt entsteht aus der Unternehmenssituation.

Maschinenbau

Industrial IoT, digitale Services, Robotik

Energie

Netzausbau, Speicher, Wärmewende

Chemie und Pharma

Prozessautomatisierung, digitale Labore

Finanzdienstleistung

Automatisierung im Backoffice und Service

Alle Branchen im Überblick

Treiber und Kohortenfähigkeit im Vergleich

Nächster Schritt

Wenn der Hochlauftermin steht, fangen wir bei den Rollen an.

Der Transformation Scan fragt nach Vorhaben, betroffenen Bereichen und Größenordnung und liefert eine erste Rollen- und Kompetenzübersicht.