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§ 82 SGB III: Was die Förderung zahlt, ab 120 Stunden und nach Betriebsgröße gestaffelt

Was § 82 SGB III fördert: Lehrgangskosten und Entgeltzuschuss nach Abs. 2 und 3, gestaffelt nach Betriebsgröße, ab einer Maßnahme von mehr als 120 Stunden. Mit dem Fünf-Prozentpunkte-Abschlag durch Betriebsvereinbarung und FAQ.

· 5 Min. Lesezeit

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Abgetrennte Schulungsfläche mit leeren Stuhlreihen neben einer stehenden Fertigungslinie

Wenn über öffentliche Förderung betrieblicher Weiterbildung gesprochen wird, fällt fast immer der Begriff Qualifizierungsgeld. Das ist § 82a SGB III, und er setzt voraus, dass strukturwandelbedingte Qualifizierungsbedarfe mindestens 20 Prozent der Beschäftigten betreffen. Die Vorschrift, die im Alltag deutlich häufiger einschlägig ist, steht daneben und heißt § 82 SGB III. Sie kennt keine Zwanzig-Prozent-Schwelle, dafür eine Reihe anderer, und die sind sehr konkret.

§ 82 SGB III geht in seiner heutigen Fassung auf das Qualifizierungschancengesetz von 2019 zurück (Gesetz zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosenversicherung, BGBl. I 2018 S. 2651). Die Staffelung nach Betriebsgröße, die 120-Stunden-Grenze und die Zwei-Jahres-Frist in der heute gültigen Fassung stammen aus der Neufassung durch das Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung vom 17. Juli 2023 (BGBl. I Nr. 191), im Alltag kurz Weiterbildungsgesetz genannt, in Kraft seit dem 1. April 2024. Dieselbe Reform hat auch § 82a eingeführt.

Die Bedingungen am einzelnen Fall

Drei Voraussetzungen betreffen die Maßnahme und die Person, nicht den Betrieb:

  • Die Maßnahme muss mehr als 120 Stunden dauern.
  • Der letzte Erwerb eines Berufsabschlusses oder die letzte geförderte Qualifizierung soll in der Regel mindestens zwei Jahre zurückliegen.
  • In den letzten zwei Jahren darf keine entsprechend geförderte Weiterbildung stattgefunden haben.

Die 120-Stunden-Grenze ist die, an der in der Praxis am meisten scheitert, und sie wirkt in die Planung hinein. Ein Kurs von drei Tagen erreicht sie nicht. Ein Lernpfad, der mehrere Programme zu einem Weg auf eine Zielrolle verbindet, kann sie erreichen, wenn er als eine Maßnahme konzipiert ist und nicht als lose Folge kurzer Bausteine. Das ist eine Gestaltungsfrage, die vor der Buchung entschieden wird, nicht danach.

Die Staffelung nach Betriebsgröße (Absatz 2)

Der zweite Block betrifft den Betrieb. Das Gesetz staffelt sowohl den Anteil, den der Arbeitgeber an den Lehrgangskosten selbst trägt, als auch den Zuschuss zum Arbeitsentgelt, und beide Staffeln laufen gegenläufig:

Beschäftigte im BetriebArbeitgeberanteil an den LehrgangskostenZuschuss zum Arbeitsentgelt
unter 50kein Anteil75 Prozent
50 bis 49950 Prozent50 Prozent
500 und mehr75 Prozent25 Prozent

Für Betriebe unter 500 Beschäftigten entfällt der Eigenanteil, wenn die oder der Beschäftigte das 45. Lebensjahr vollendet hat oder schwerbehindert ist.

Wer ein Werk mit mehreren Tausend Beschäftigten umstellt, landet also in der untersten Zeile: drei Viertel der Lehrgangskosten bleiben im Haus, und der Zuschuss zum Entgelt beträgt ein Viertel. Das ist kein Nebeneffekt der Größe, sondern die ausdrückliche Systematik der Vorschrift. Größere Betriebe sollen den Löwenanteil selbst tragen.

Der Zuschuss zum Arbeitsentgelt (Absatz 3)

Absatz 2 regelt den Anteil an den Lehrgangskosten. Absatz 3 regelt etwas anderes: den Zuschuss zum Arbeitsentgelt für die Zeit, in der die oder der Beschäftigte wegen der Maßnahme nicht arbeitet. Für Beschäftigte ohne Berufsabschluss im Sinne von § 81 Absatz 2 kann der Zuschuss das anteilige Arbeitsentgelt für die ausfallende Arbeitszeit vollständig abdecken, einschließlich des Arbeitgeberanteils am Pauschalbeitrag zur Sozialversicherung. In allen anderen Fällen gilt dieselbe Staffel wie oben, nur umgekehrt: unter 50 Beschäftigte 75 Prozent, 50 bis 499 Beschäftigte 50 Prozent, 500 und mehr Beschäftigte 25 Prozent.

Und noch eine Parallele zur Betriebsvereinbarung: Während der Arbeitgeberanteil an den Lehrgangskosten nach Absatz 2 bei bestehender Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag um fünf Prozentpunkte sinkt, kann der Zuschuss zum Arbeitsentgelt nach Absatz 3 unter denselben Bedingungen um fünf Prozentpunkte steigen. Beide Hebel hängen am selben Instrument.

Der Punkt, den kaum jemand mit der Mitbestimmung zusammendenkt

Und dann steht dort noch eine Regel, die in den Übersichten meist untergeht: Der Arbeitgeberanteil an den Lehrgangskosten verringert sich um fünf Prozentpunkte, wenn eine Betriebsvereinbarung oder ein Tarifvertrag über die berufliche Weiterbildung im Betrieb Anwendung findet.

Fünf Prozentpunkte klingen nach wenig, bis man sie auf ein Vorhaben mit mehreren hundert Teilnehmenden rechnet. Interessanter als die Größenordnung ist aber, woran sie hängt. Das Instrument, das den Anteil senkt, ist genau das Instrument, das die Mitbestimmung ohnehin verlangt.

Denn nach § 97 Absatz 2 BetrVG hat der Betriebsrat bei der Einführung betrieblicher Berufsbildungsmaßnahmen mitzubestimmen, sobald Maßnahmen des Arbeitgebers die Tätigkeit von Beschäftigten verändern und deren berufliche Kenntnisse nicht mehr ausreichen. Das ist der Regelfall eines Transformationsvorhabens. Die Betriebsvereinbarung, die am Ende dieses Mitbestimmungsverfahrens steht, ist damit nicht nur die rechtliche Grundlage der Qualifizierungswelle, sie senkt auch deren Kosten.

Wer die Mitbestimmung als Verzögerung behandelt, die man möglichst spät bedient, verschenkt diesen Zusammenhang zweimal: einmal beim Zeitplan und einmal beim Eigenanteil.

Abgrenzung zu § 82a SGB III

Die beiden Vorschriften stehen nebeneinander und beantworten verschiedene Fragen. § 82 fördert die Weiterbildung Beschäftigter im laufenden Arbeitsverhältnis nach den oben genannten Bedingungen. § 82a betrifft das Qualifizierungsgeld, eine Entgeltersatzleistung während einer Weiterbildung im bestehenden Arbeitsverhältnis, und setzt strukturwandelbedingte Qualifizierungsbedarfe voraus, die mindestens 20 Prozent der Beschäftigten betreffen, bei Betrieben unter 250 Beschäftigten mindestens 10 Prozent. Auch dort muss die Maßnahme mehr als 120 Stunden dauern, und die Voraussetzungen sind in einer Betriebsvereinbarung oder einem Tarifvertrag zu dokumentieren.

Die Zwanzig-Prozent-Schwelle ist der Grund, warum § 82a in vielen Vorhaben nicht greift und § 82 schon. Eine Umstellung, die vier Rollencluster in zwei Bereichen betrifft, kann sehr wohl eine erhebliche Qualifizierungswelle auslösen, ohne ein Fünftel der Gesamtbelegschaft zu erreichen.

Was wir hier ausdrücklich nicht tun

Dieser Beitrag gibt den Inhalt der Vorschriften wieder. Er ist keine Förderberatung. QualiShift prüft keine Förderfähigkeit, stellt keine Anträge und bewertet weder Ansprüche noch deren Höhe. Ob eine bestimmte Maßnahme im konkreten Fall gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit, und die Beratung dazu gehört zu ihr oder zu einer dafür qualifizierten Stelle.

Der Grund, warum die Schwellen hier trotzdem stehen: Sie beeinflussen die Gestaltung einer Qualifizierungswelle, und diese Gestaltung passiert lange vor jedem Antrag. Ob ein Lernpfad als eine Maßnahme über 120 Stunden konzipiert wird oder als fünf kurze, ob eine Betriebsvereinbarung früh oder spät entsteht: das sind Entscheidungen aus der Planung, nicht aus dem Förderverfahren.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist der Zuschuss nach § 82 SGB III je Betriebsgröße?

Der Zuschuss zum Arbeitsentgelt nach Absatz 3 beträgt 75 Prozent unter 50 Beschäftigten, 50 Prozent bei 50 bis 499 Beschäftigten und 25 Prozent bei 500 und mehr Beschäftigten, mit einer möglichen Erhöhung um fünf Prozentpunkte bei Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag. Der Arbeitgeberanteil an den Lehrgangskosten nach Absatz 2 läuft gegenläufig: 0, 50 beziehungsweise 75 Prozent.

Was regelt § 82 Abs. 3 SGB III?

Absatz 3 regelt den Zuschuss zum Arbeitsentgelt für die Zeit, in der die Weiterbildung die Arbeitszeit ersetzt, gestaffelt nach Betriebsgröße und mit einer Sonderregel für Beschäftigte ohne Berufsabschluss nach § 81 Absatz 2.

Was ist der Unterschied zwischen § 82 und § 82a SGB III?

§ 82 fördert die Weiterbildung Beschäftigter ohne Mindestquote an Betroffenen im Betrieb. § 82a, das Qualifizierungsgeld, setzt strukturwandelbedingte Qualifizierungsbedarfe voraus, die mindestens 20 Prozent der Beschäftigten betreffen (10 Prozent bei Betrieben unter 250 Beschäftigten), und verlangt eine Betriebsvereinbarung oder einen Tarifvertrag.

Muss die Maßnahme AZAV-zugelassen sein?

Ja. Nach § 82 Absatz 1 Nummer 5 SGB III müssen Maßnahme und Träger für die Förderung zugelassen sein. Das geschieht nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV).

Quellen

  • § 82 SGB III, Förderung der beruflichen Weiterbildung Beschäftigter.
  • § 82a SGB III, Qualifizierungsgeld, in Kraft seit dem 1. April 2024.
  • § 97 Absatz 2 Betriebsverfassungsgesetz.
  • Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung vom 17. Juli 2023, BGBl. I Nr. 191, in Kraft seit dem 1. April 2024 (Weiterbildungsgesetz).
  • Gesetz zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosenversicherung vom 18. Dezember 2018, BGBl. I S. 2651 (Qualifizierungschancengesetz).

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Die Quellen hinter diesem Text

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